Aufbau & Umfang

Ich habe beschlossen, das Buch zyklisch zu gliedern: das passt einerseits zum Zyklus von Fortgang und Rückkehr. Den eigentlichen Zyklus bildet aber der Ablauf des Jahres und der Jahreszeiten, weshalb es ein Winter-, Frühlings-, Sommer- und Herbstkapitel gibt. Jede Saison beinhaltet drei Unterkapitel. In ihnen sind die einzelnen Stories angesiedelt, die Bezug zum Jahreszeitenzyklus nehmen — aber auch zu persönlichen Erinnerungen, Beobachtungen der Gegenwart, zu Projekten, Aktivitäten und Texten anderer Menschen, sowie zu geopolitischen und Umweltveränderungen. Wo nötig, wird der Inhalt über Sekundärliteratur vertieft und weiter versachlicht.

Ausgehend von den Vorarbeiten gehe ich von zirka 20 Seiten à 14 Unterkapitel aus (inkl. Einleitung und Schluss, ohne Referenzen, Abbildungen und Anhänge). Bei einer Normseite von 1500 Zeichen ergibt das einen voraussichtlichen Gesamtumfang von zirka 420.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen). Auf dem Blog können nahezu unbegrenzt Abbildungen verwendet werden, im Buch kann die Anzahl der Abbildungen dagegen idealerweise ein Bild pro Unterkapitel (insgesamt 14) reduziert werden, nach Absprache mit dem Verlag jedoch noch weiter reduziert werden. Autor aller im Buch verwendeter Bilder ist entweder der Autor selbst, oder die Rechte liegen bei ihm, bzw. die Bildnutzung unterliegt keiner Lizenz.


Gliederung (Arbeitsversion)

  1. Einleitung: Über die persönliche Rückreise zur Neuen Heimat und Sachlichkeit.
  2. Winter
    1. Wo noch Frost fällt: Rauhnächte in der Rhön
    2. Ein Dorf inszeniert sich selbst: Die Fahrenden Gaukler
    3. Zeitenwenden und Fluchten am Zonenrand
  3. Frühling
    1. Eine Schlüsselblumenwiese trotzt den Katastrophen
    2. Die Landschaftserzählung des Kreuzbergs
    3. Christliche Religiosität und Spiritualität im Francorum
  4. Sommer
    1. Die Aufwertung des ländlichen Raums
    2. Wie die jugoslawische Pita zur Fränkin wurde
    3. Blasmusik, Nirvana und Sauerbraten: was ist fränkisch?
  5. Herbst
    1. Wo die Energie als Maisfeld wächst
    2. Verlorene Fränkinnen: das Landjudentum
    3. Erntedank, Fasten, Potlatsch: zur Wiederkehr der Rauhnächte
  6. Schluss
  7. Referenzen
  8. Anhänge

1. Einleitung: Über die persönliche Rückreise zur Neuen Heimat und Sachlichkeit.

Idee / Autor / Neue Heimat- & Sachlichkeit / Aufwertung des ländlichen Raums / Kapitelübersicht.

Die Reflexionen über Franken beginnen damit, dass ich gar nicht in Franken bin. Früher hatte ich immer das Gefühl: Du musst fort von hier, wie ich in einem alten Blog-Beitrag einmal festgestellt habe, den ich zum Prolog umgestalten werde. Nach zwanzig Jahren Kindheit und Adoleszenz war ich abgereist, und nach weiteren zwanzig Jahren – mit vierzig – schreibe ich schließlich an den Acta Francorum. Ich bin nicht dauerhaft zurückgekehrt. Es handelt sich gewissermaßen um eine gedankliche Rückkehr — und was dazwischen so alles geschehen ist, wird meine Texte stark informieren.


2. Winter

2.1 Wo noch Frost fällt: Rauhnächte in der Rhön / 2.2 Ein Dorf inszeniert sich selbst: Die Fahrenden Gaukler / 2.3 Zeitenwenden und Fluchten am Zonenrand

Der Zyklus beginnt mit dem Winter, denn nur der Januar ist zweigesichtig — wie schon sein römischer Namensgott Ianus und seine sprichwörtliche Janusköpfigkeit es ausdrücken: er beginnt im Zwischen-den-Jahren, trägt Merkmale des Alten und des Neuen und ist uneindeutig.1Wie auf der Seite hyperkulturell: Portal für interkulturelle Kommunikation unter Rückgriff auf den von Walter Lippmann 1922 in Public Opinion eingeführten Begriff der Stereotype ausgeführt wird, sind alle Metaphern, die stereotypisch sind, janusköpfig, nämlich zwei- oder mehrdeutig. Im Winter wurde außerdem die Idee zu diesem Projekt geboren, zwei Tage nach meinem vierzigsten Geburtstag, da das zwanzigste Jahr meines Fortgangs aus Franken anbricht. Die Winterkapitel beginnen mit der völligen Schnee- und Frostlosigkeit des Winters 2019/2020, als allerhöchstens Epidemiologen mit Insiderwissen bereits klare Vorstellungen davon haben konnten, was für eine einzigartige (pandemische) Wende in nur wenigen Tagen auf uns alle zukommen würde. Weder die Theatergruppe der Fahrenden Gaukler im Dorf Friesenhausen, noch ihre zahlreichen Zuschauerinnen (darunter ich) aus dem zweiten Unterkapitel konnten während der randvoll ausverkauften Februarvorstellungen wissen, dass es in der nächsten Faschingszeit keine Theatersaison geben würde. Viele Wenden geschehen scheinbar unerwartet und plötzlich, auch wenn sie sich im Nachhinein als ganz „normal“, erklärbar oder sogar „fällig“ darstellen: so auch die Öffnung der (fast) hermetischen Grenzen des alten Zonenrandbezirks, wo das bayerische und das thüringische Francorum durch den Eisernen Vorhang voneinander getrennt waren. Sowohl die Teilung als auch die Öffnung wirken sich bis heute auf die Entwicklung des ländlichen Raums erheblich aus. Darum geht es im letzten der drei Winterkapitel.


3. Frühling

3.1 Eine Schlüsselblumenwiese trotzt den Katastrophen / 3.2 Die Landschaftserzählung des Kreuzbergs / 3.3 Christliche Religiosität und Spiritualität im Francorum

Der Winter war noch gar nicht zu Ende — und schon wurde unsere gesamte Zeit zu einer plötzlichen Epoche namens Corona, zu deutsch: die Krone.2Corona ist aber auch der Name einer frühchristlichen Märtyrerin aus Ägypten oder Syrien, Schutzpatronin des Geldes, der Metzger und der Schatzgräber. Corona zerriss den Zeitlauf jäh. Alle Urlaubspläne, Transkontinentalflugrouten und Zusammenkünfte waren dahin — denn Corona herrschte von den Hauswänden herab: Stay the fuck home. Im ersten Lockdown der Covid19-Pandemie fuhr ich durch gleißenden Sonnenschein in einem leeren ICE nach Franken, diesmal zu meiner Schwester und meinem Neffen in die Rhön. Dort zog es mich täglich für mehrere Stunden mit dem Mini-Hund in die Wälder, wo ich auf alte Bekannte stieß: die Schlüsselblumen. Ausgehend von der Schlüsselblumenwiese meiner Kindheit schreibe ich im ersten Frühlingskapitel über die erste selbst erlebte Katastrophe — Tschernobyl –, aber auch über Flucht- und Migrationsgeschichten damals, später, und heute. Diese Geschichten erklären auch, wie zwei Fränkinnen über verschlungene Wege plötzlich sofort bei Ankunft in häusliche Quarantäne in Bosnien geraten sind. Im zweiten Frühlingskapitel bricht sich ein äußerst merkwürdiges Osterfest bei sommerlichen Temperaturen Bahn. Zu dieser Gelegenheit fuhr ich an den (fast) völlig menschenleeren Kreuzberg, über dessen spirituelle Ausstrahlung und bergeigenes Storytelling ich schreibe. Im dritten Frühlingskapitel — die Eisheiligen und der erste und letzte Tieflandfrost des Winters liegen hinter uns — vertiefe ich die Betrachtungen einiger spiritueller Traditionen sowie die Veränderungen auf dem Feld der Religionen und Konfessionen im Francorum und anderswo.

Lupine, aufgenommen im Frühling 2020 (Foto: Thomas Schad)

4. Sommer

4.1 Die Aufwertung des ländlichen Raums / 4.2 Wie die jugoslawische Pita zur Fränkin wurde / 4.3 Blasmusik, Nirvana und Sauerbraten: was ist fränkisch?

Der Sommer ist die Zeit des Urlaubs — doch im Corona-Sommer 2020 ist alles anders: viele Menschen wenden sich jetzt den Erholungsmöglichkeiten vor der eigenen Haustür zu. Im ersten Sommerkapitel geht es deshalb auch um die Beobachtung, dass der ländliche Raum zunehmend aufgewertet und geschützt wird — während gleichzeitig sogar die Insekten und Bienen drohen, aus ihm zu verschwinden. Im zweiten Sommerkapitel zelebriere ich ein ziemlich schwierig zuzubereitendes Soul Food namens Pita bzw. Burek, das meine Mutter nach Franken gebracht hat. Bei der Gelegenheit gehe ich noch einmal der Geschichte eines zerfledderten Doppel-Kochbuchs mit dem Titel Mein Lieblingsrezept der Friesenhäuser Frauen nach, das eventuell eine Neuauflage gut vertrüge (diesmal mit Pita bzw. Burek). Im dritten Sommerkapitel vertiefe ich, direkt daran anschließend, die Frage, was zwischen Blasmusik, Nirvana und Sauerbraten alles unter einheimischer Kultur verstanden werden kann und wie veränderlich Kultur ist. Ich frage, wie Corona, soziale Medien und die Klimakatastrophe in der Lage sind, unser Verhältnis zu Essen zu beeinflussen. Was ist davon zu halten, dass im Dorf Friesenhausen ein riesengroßer Schweinestall endlich geschlossen wurde, dass immer mehr Landwirte auf Bio umstellen?


5. Herbst

5.1 Wo die Energie als Maisfeld wächst / 5.2 Verlorene Fränkinnen: das Landjudentum / 5.3 Erntedank, Fasten, Potlatsch: zur Wiederkehr der Rauhnächte

Bereits im Sommer 2017, den ich in Franken verbracht habe — angeblich, um meine Dissertation abzuschließen3Ich habe meine Dissertation abgeschlossen — jedoch nicht 2017, sondern 2019, weil mir die Finanzierung ausgegangen ist und ich substanzielle Änderungen am Gesamttext vorgenommen habe. — wurde mir klar, wie sehr wir die Landschaft verändert haben: es wächst jetzt sogar in höheren Lagen Mais, der unseren Energiebedarf stillen soll. Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld ist inzwischen eher Kulisse, und im Herbst 2020 liegen die trockensten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hinter uns. Im Francorum hat das bewirkt, dass inzwischen riesige Holzstapel in sogenannte Holzquarantäne geraten sind. Diese landschaftlichen, naturräumlichen und technologischen Veränderungen beobachte ich unter anderem bei einer Reise per Flixbus sowie auf einer frühherbstlichen Radtour nach Schweiferd. Im zweiten Herbstkapitel nehme ich zuerst die Spur einer Haßfurter Lokalhistorikerin auf und erkunde das fränkische Landjudentum in Kleinsteinach und Burgpreppach, wo ich außerdem ein ganz erstaunliches Privatarchiv einer weiteren Lokalhistorikerin besuchen darf. Im letzten Herbstkapitel beginne ich zu fasten und nehme 49 Tage lang kein festes Essen mehr zu mir. Dabei reflektiere ich über die alte Fastenzeit des Advents, der heute zu einem wochenlangen Konsumrauch des Überflusses geworden ist, den ich als großen kapitalistischen Potlatsch bezeichne. Damit schließt sich der Jahreszyklus in der Zeit zwischen den Jahren. Du musst fort von hier, säuselt mein Gewissen: meine Berliner Wohnung und so einige Pflichten warten auf mich.


6. Schluss

[First things first]