Thomas Schad

…heißt der Autor der Acta Francorum. In den folgenden Abschnitten will ich mich kurz vorstellen und meine Leser*innen dadurch etwas besser mit meiner Schreibperspektive vertraut machen.

Ausbildung

Ich wurde 2020 als Historiker an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) promoviert und bin Alumnus der Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies (BGSMCS). In meinem vorangegangenen Magisterstudium an der Freien Universität (FU) Berlin, an der HU Berlin sowie an der Istanbul Universität (IÜ) habe ich im Hauptfach Osteuropastudien,1Das Fach Osteuropastudien im Magisterstudiengang war multidisziplinär. Ich habe die Schwerpunktdisziplinen Geschichte und Wirtschaftswissenschaft gewählt. in den Nebenfächern Politikwissenschaft und Südslawistik2Dieses Fach hieß zu Beginn meines Studiums noch Serbistik-Kroatistik und hat, ebenso wie die Sprache selbst, inzwischen einen bzw. mehrere Namenswechsel hinter sich. sowie Türkisch studiert.3Ich habe nicht Turkologie studiert, aber das Zertifikat Turcicum an der Freien Universität Berlin erworben, sowie zwischen 2006-2007 fünf von sechs möglichen Sprachkursen der privaten Sprachschule Dilmer in Istanbul absolviert. Außerdem habe ich 2006-2007 Osmanischkurse an der Istanbul Universität belegt. Ich füge das hinzu, weil manche Menschen sehr empfindlich auf die Einhaltung der Machtstrukturen ihrer jeweiligen Disziplinen achten. Aus persönlicher Sicht ändert das jedoch ohnehin nichts daran, dass ich die türkische Sprache studiert habe und begeistert weiter studiere. Ich lese, verstehe und spreche Türkisch ohne große Einschränkungen. Für meine Dissertation habe ich mich mit Migration aus Jugoslawien in die Türkei und mit der neo-populistischen Kulturdiplomatie des AKP-Regimes auf dem Balkan beschäftigt. Dafür habe ich mehr als zwei Jahre (2014-2016) in der Türkei, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Serbien, Kosovo und Nordmazedonien geforscht.

Qualifikationen

Durch meine Ausbildung und praktischen Forschungstätigkeiten habe ich Erfahrungen in ethnographischer Arbeit mit einem interdisziplinären Mehr-Methoden-Ansatz erworben. Einige dieser Erfahrungen sind mir auch in diesem Projekt von Nutzen:

  • Durchführung und Auswertung qualitativer Interviews,
  • Dichte Beschreibung,
  • Dokumentation und Analyse öffentlicher Meinungen in medialen Sprechakten,
  • Analyse populärkultureller Produktionen,
  • Phraseologie und Analyse von Sprichwörtern und Gemeinplätzen,
  • Metaphernanalyse (Tropenanalyse),
  • Diskursanalyse.

Auf die Nützlichkeit dieser Methoden und Erfahrungen komme ich unter Umsetzung zurück.

Kosmopolitische Perspektive

Vor meiner Promotion war ich zwei Jahre lang als Referent in der Abteilung Außenangelegenheiten der Freien Universität Berlin (FU) tätig: dort drehte sich alles um Internationalisierung der Berliner Hochschullandschaft, um Wissenschaftsbeziehungen nach (Süd-)Osteuropa und in die Türkei, um die Betreuung internationaler Delegationen, sowie um Stipendienprogramme für Studierende und Wissenschaftlerinnen aus Nicht-EU Staaten weltweit. Umfassende internationale (Auslands-)Erfahrungen konnte ich jedoch bereits vor meinem Studium (2000-2003) durch meine dreijährige Tätigkeit als Projektkoordinator, Fundraiser, Freiwilliger und Erster Vorsitzender bei Verein bzw. Stiftung Schüler Helfen Leben in Sarajevo und Berlin sammeln. Außerdem ist es ohne Zweifel eine prägende Erfahrung, in einer binationalen Familie aufgewachsen zu sein, in der immer unterschiedliche Sprachen gesprochen wurden und wo die Eltern, Großeltern und Verwandten unterschiedliche Heimaten hatten. All diese Perspektiven ergeben zusammen eine kosmopolitische Perspektive, die auch in die Acta Francorum einfließt — denn auch im Francorum geschieht, was woanders auf dem Globus passiert: seien es die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, die Covid19-Pandemie oder die Meta-Katastrophe des Klimas mit ihren „Unterkatastrophen“.

Forschungsinteressen

Dementsprechend spannen meine Forschungsinteressen zwischen lokalen, globalen und alltäglichen Phänomenen: 

  • Kosmopolitisierung und Transformation von Nationalstaatlichkeit;
  • Naturräumlicher und diskursiver Klimawandel;
  • Öffentliche Meinungen, öffentliche Diplomatie und Desinformationskampagnen;
  • Neo-Populismus;
  • Urbane und ländliche Räume, dezentrale Organisationsmodelle;
  • Religion, Mythos und Storytelling.

Wie ich unter Ländlicher Raum noch etwas ausführlicher begründen werde, bin ich nicht davon überzeugt, dass große Städte und zentralistische Regierungen das Organisationsmodell der Zukunft sein können.

Blogging & Content Management

Seit 2015 betreibe ich meinen Blog Inkubator Metamorφ (der bis 2020 Dunyalook hieß), auf dem ich „alles darf“. Dort muss ich mich nicht unbedingt an das enge Korsett wissenschaftlicher Feldgrenzen und ihrer Schreibe halten, kann aber das freiere Denken nach Bedarf auch wissenschaftlich vertiefen und learning by doing neue Fähigkeiten im digitalen Publizieren erwerben: dort habe ich Feldnotizen festgehalten, Nachrichten kommentiert, Publikationen veröffentlicht, wissenschaftlich, halb-wissenschaftlich, aber auch völlig unwissenschaftlich geschrieben.

Im Sinne eines Inkubators bzw. Brutkastens hat sich dort nicht nur die Idee zu den Acta Francorum ausgebrütet, sondern auch meine zunehmende Begeisterung für die Möglichkeiten digitaler Content-Management-Systems (CMS). Mein Traum ist es, meine Grundkenntnisse im Coden und Programmieren auszubauen. Ich arbeite bzw. habe hauptsächlich mit folgenden CMS und Markup-basierten Programmen gearbeitet (Auswahl):

  • Evernote
  • WordPress
  • HTML
  • LaTeX
  • Miro
  • Etherpad, Framapad, Moodle

Ich halte es für wichtig, sich auch (oder vielleicht sogar besonders) als Geisteswissenschaftler nach Möglichkeit über die Technologien im Klaren zu sein, die im Backend heute fast immer an der Entstehung von Text beteiligt sind. Meine Erfahrung ist, dass digital entstandener Text ganz anders entsteht als handschriftlicher oder über analoge Technologien erzeugter Text:4Ich schreibe außerdem wirklich sehr viel handschriftlich und finde diese Form des Schreibens mindestens ebenso wertvoll, aber darüber könnte ich einen eigenen Essay schreiben. Inhalte können auf eine ganz andere Weise zueinander finden, wenn sie über Kategorisierung und digitaler Verschlagwortung mit kohärent vercodeten Inhalten „gemanaged“ sind. Das bringt große Vorteile mit sich — es birgt aber auch manipulative Tücken, wie die Desinformationsdebatten verdeutlichen. Gerade dieser Gefahr kann aber aus meiner Erfahrung durch tiefere Kenntnis der Backend-Strukturen digitaler Texterzeugung besser entgegengetreten werden. Genauer gehe ich auf diese Vorteile unter Umsetzung ein.

Bildungsgerechtigkeit als Notwendigkeit

Didier Eribon hat es als Klassenverrat bezeichnet: Meine Zwillingsschwester und ich sind die ersten Mitglieder unserer Familie mit Hochschulbildung, die für uns nicht vorgesehen war, wenn es nach unseren Grundschullehrern gegangen wäre: erst über den Umweg der (für uns vorgesehenen) Hauptschule ging es über das Gymnasium in Richtung Hochschule. Für mich ist es bildungstechnisch gut gelaufen — doch in den verbauten Bildungswegen so vieler Menschen liegt oft eine schwere Tragik, die relevant für die gesamte Gesellschaft ist. Deshalb sind hierzu ein paar weitere Ausführungen nötig, auf die ich auch auf der Seite Umsetzung der Acta Francorum wieder zurückkommen werde, wo es um die Frage geht, warum ein hybrides Textformat, bestehend aus unterschiedlichen Sorten von Text, sinnvoller ist als eine einzige, klassische Monographie.